Hallo, liebe Leute,
während der Feiertage hatte ich bisschen Zeit zum Rumschmökern und dabei fiel mir ein uralthread aus dem Jahr 2004 wieder ein, in dem uns ein gewisser Herr Thomson was von Stierkulten im Zusmmenhang mit Kreisgrabenanlagen erzählen wollte. Insbesondere bezog er sich auch die Kreisgrabenanlage in Goseck. Er bezog sich dabei auf irgendwelche Artikel aus dem "Spiegel" und "Die Welt" und wollte uns das damals als neuesten Stand der Forschung verkaufen.
Zur Verdeutlichung meiner Ausführungen zitiere ich hier die damaligen Aussagen des Herrn Thomson. (nachzulesen im Archiv dieses Forums).
Was diese Aussagen nun wirklich wert sind, dazu habe ich DIE zwei (einzig) kompetenten Quellen befragt, nämlich den Grabungsbericht des Prof. Bertemes und die Auswertung von Prof Schlosser.
Zitat:
In der Kreisgrabenanlage von Goseck befindet sich ein "Stiertempel", der auf das Sternbild Stier ausgerichtet ist. In der Anlage gibt es haufenweise Überreste rituell zerstückelter Stiere. Damit ist zum ersten Mal bewiesen, a.) daß das Sternbild-Konzept schon vor 7000 Jahren Gültigkeit hatte, b.) daß es eine Verbindung des "irdischen" Stierkultes, wie er ja in verschiedenen Varianten vorkommt, mit einer ganz bestimmten Sternengruppe am Himmel gibt
Diese Aussage ist völliger Blödsinn, weder gibt es IN der Kreisgrabenanlage Goseck einen "Stiertempel", noch ist dieser auf das Sternbild Stier ausgerichtet und auf Stierknochen findet sich im Grabungsbericht auch kein Hinweis.
Dort ist lediglich von
Tierknochen die Rede, ohne jegliche Spezifizierung.
Stierkult - des war woll nix.
Stattdessen erfährt man etwas über die (mögliche) Nutzung des Heiligtums und seine Bedeutung. So gehen Bertemes und seine Mitarbeiter davon aus, dass die kreisrunde Anlage etwas mit dem Kreislauf des Jahres zu tun hat, die monumentale Anlage selber, etwas mit veränderter Akustik im Inneren der Anlage. Den Pallisadenring deutet Bertemes als Abgrenzung zwinschen Innen und Außen - als Betonung einer Abgrenzung eines Dualismus von innen und Außen bzw sakral und profan.
Die Kreisgrabenanlage stellt ein multifunktionales Monument dar, welches nicht der Feststellung wichtiger Festtermine diente, sondern als Kultplatz und Heiligtum konzipiert und genutzt wurde. Ein Ort an dem Kulte und Feste abhalten und die damit verbundenen Rituale durchgeführt wurden.
Astronomisch ausgerichtet ist die Anlage von Goseck auf die Sonnenauf- oder-untergänge zu den Sonnenwenden und am 30.April (Beltane)
Von einer Ausrichtung der Anlage, auf das Sternbild Stier (oder den Kopf des Stieres) findet sich weder im Grabungsbericht noch in den Auswertungen von Schlosser nicht der kleinste Hinweis.
Zitat:
Meintest Du damit, die Anlage von Goseck wäre so in das Gelände integriert, daß zwischen diesem Berg, so es ihn gibt (ich hab nichts drüber gefunden. Vielleicht fällts Dir ja wieder ein!), und dem Südosttor die Visurlinie zu den Hyaden verlaufen wäre?
Hääää, welcher Berg? Die Anlage Goseck befindet sich weit sichtbar, auf einer Ebene. Da ist weit und breit kein Berg und somit auch keine Integration ins Gelände und auch keine Visierlinien zwischen Berg und Tor zu den Hyaden.
Was hat der übrigens immer mit den Hyaden? Bei Schlosser ist überhaupt keine Rede von dieser Sternengruppe.
Zitat:
... in dem für Goseck eine Ausrichtung auf die Hyaden angeführt wird - in diesem Tor fanden sich zerstückelte Rinder, Teile eines Rind-/Stierkultes).
Wie schon erwähnt findet sich nirgends auch nur das Wort Hyaden, von einer Ausrichtung auf dieselben kann also keine Rede sein.
Weiter steht im Grabungsbericht auch nix von "zerstückelten" Rindern, sondern es ist eindeutig die Rede von Feuergrruben und Fragmenten von Rinderkonochen und zwar
vor den Toren, also außerhalb der Anlage.
Bertemes spricht zwar von einer besonderen Bedeutung des Rindes für diese Menschen, legt sich jedoch nicht fest, sondern sagt eindeutig bleibt unklar.
Sabine