Rätsel der Vergangenheit

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 Betreff des Beitrags: Rigveda älter als die Indus-Kultur?
BeitragVerfasst: Sa 13. Sep 2008, 21:02 
Angeblich soll der Rigveda eine Entstehungsdauer von 2000 Jahren (3500–1500 BC) gehabt haben. Damit wären die älteren Teile bereits vor der Harappa-Kultur entstanden. Und da die Veden bekanntlich Sanskrit, also einer indoarischen Schriftsprache verfasst sind, würde das bedeuten, dass die Harappa-Kultur möglicherweise nicht, wie allgemein angenommen, dravidisch war, sondern letztlich indoeuropäisch. Das beißt sich allerdings damit, dass man die paar Artefakte der Harappa-Schrift bisher noch nicht entschlüsseln kann. Auf diesen Spekulationen, dass das Protoindoeuropäisch, die indoeuropäische Ursprache, ein Stück älter sein könnte als bisher angenommen, und die "Urheimat" nicht in der Pontischen Steppe oder Anatolien anzusiedeln wäre, sondern in Nordindien, vertritt die "Out of India" Theorie (OIT), allerdings eine Außenseitertheorie, die u.a. von den Linguisten Koenraad Elst, Shrikant Talageri und Nicholas Kazanas sowie dem Genetiker Toomas Kivisild vertreten wird. Hier ein paar Texte zum Einlesen…

http://en.wikipedia.org/wiki/Out_of_India_theory
http://en.wikipedia.org/wiki/Substratum ... c_Sanskrit
http://ww.omilosmeleton.gr/english/documents/RVpH.pdf

... und eine vernichtende Kritik von Michael Witzel...

http://www.ejvs.laurasianacademy.com/ej ... rticle.pdf

sg


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 Betreff des Beitrags: Re: Rigveda älter als die Indus-Kultur?
BeitragVerfasst: Mi 8. Okt 2008, 10:44 
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Diese These halte ich auch für Unsinnig. Im Rigveda selbst sind ja "Erinnerungen" an die Wanderung der indoeuropäischen Einwanderer enthalten. Zumal die aussage, der Text sei zwischen 3000 v. Chr. und 1500 v. Chr. verfasst wurden, ja erst einmal zu beweisen wäre.


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 Betreff des Beitrags: Re: Rigveda älter als die Indus-Kultur?
BeitragVerfasst: Sa 14. Nov 2009, 19:28 
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Sind nicht die geographischen Bezüge im Rigveda der springende Punkt? Ich sehe da ein logisches Problem, das sich mit zwei Grafiken illustrieren lässt.

Ein mal die Geographie des Rigveda nach Wikipedia:

Bild

Demgegenüber die Grabungsstätten in der Region nach ArchaeologyOnline:

Bild

Daraus folgt doch, daß entweder das Rigveda und die Fundstätten am Sarasvati korrelieren, und ersteres zurückdatiert werden muß, oder aber das Rigveda ist als Kulturzeugnis einer späteren Epoche zuzuordnen, die eher als kultureller Niedergang einzustufen ist, und keinesfalls taugt, eine Diffusion von Westen her zu stützen. So zumindest verstehe ich den Kern der Auseinandersetzung zu dieser Frage. Sprachwissenschaftliche Klärungsversuche scheinen mir daran vorbeizugehen.

Kann das jemand aufklären?

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 Betreff des Beitrags: Re: Rigveda älter als die Indus-Kultur?
BeitragVerfasst: Sa 14. Nov 2009, 20:14 
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Registriert: Mi 11. Mär 2009, 20:25
Beiträge: 961
Also zeitlich lässt sich jedenfalls sagen, dass der Rigveda in der Ursprungsfassung mindestens 4.000 Jahre alt sein muss, was den Rückschluss zulässt, dass die Indoarier früher als bisher angenommen nach Indien gekommen sind. Woher man das weiß? Eben, wie du schon sagst, durch darin enthaltene geografische Angaben: "So wird der Fluss Sarasvati, den wir heute nur noch als ausgetrocknetes Flussbett kennen, im Rigveda als ein reißender Strom adressiert. Hydrologische Untersuchungen ergaben, dass Sarasvati diesen Status spätestens 2000 v. Chr. eingebüßt hat. Die Arier mussten damals also schon in diesem Gebiet verkehrt haben. Zu dieser Zeit blühte dort und im Fünfstromland, dessen Flüsse den Ariern ebenfalls namentlich bekannt waren, noch die Indus-Kultur." http://de.wikipedia.org/wiki/Out-of-Ind ... ie#Rigveda

Daraus folgt wohl, dass dein "Entweder" zutreffen muss, nicht aber das "Oder". Denn wie könnten sie Kenntnis von etwas gehabt haben, das - bezogen auf eine spätere Invasion und Niederschrift (also nach 2000 BC) - gar nicht mehr existierte?
Zum "Oder": Warum sollte man Wissen konserviert haben, um es erst ein halbes Jahrtausend später oder noch später niederzuschreiben? :kopfkratz:

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 Betreff des Beitrags: Re: Rigveda älter als die Indus-Kultur?
BeitragVerfasst: Sa 14. Nov 2009, 21:00 
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Registriert: Mi 7. Okt 2009, 20:32
Beiträge: 341
Wohnort: Erkelenz
Die ursprüngliche Fruchtbarkeit der Region hat überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum und Zuwanderung begünstigt. Mit dem Versiegen des Sarasvati hat sich der Schwerpunkt zwangsläufig nach Westen verlagern müssen, wo sich spätere Zentren dann ja auch später entwickeln.

Damit ist aber doch die kulturelle Entwicklung am Sarasvati eine genuine Erscheinung. Aus infolge ihrer späteren Blüte entwickelteren Besiedlungszentren lassen sich doch keine Rückwirkungen in der Zeit folgern.

Wäre die Besiedlung am Sarasvati durch Zuwanderung von Westen her zu ihrer kulturellen Blüte gelangt, hätte sich dieser Einfluss an den Flussläufen westlich dieses Gebietes doch früher oder zumindest gleichzeitig auswirken müssen, aber eben nicht später.

Kurz: Die Lebensbedingungen am Sarasvati sind der Motor der dortigen Kultur, nicht nur der Nährboden für höherentwickelte Zuwanderer. Zuwandernde Arier wären zwangsläufig, und würden einen Anteil beisteuern, sind aber nicht die ursprünglichen Träger dessen, was dort erst entsteht. Zivilisatorischer Entwicklungssstand als Folge einer frühen Verstädterung, die sich aus der Ertragslage im Umland ergibt.

Ich habe den Eindruck, die indische Position sucht vor allem den kulturchauvinistischen Anteil an der klassischen Sicht zurückzuweisen. Ich meine, hier gilt Marxens historischer Materialismus. Fruchtbarkeit der Region schafft die Überschüsse, die das Entwicklungstempo bestimmen, nicht menschlicher Wille.

Die mythologischen Hinweise sind ja auch recht deutlich. Sarasvati wurde zur Göttin der Fruchtbarkeit und des Lehrens, was man als tradiertes Volkslegendentum und Degeneration der zugrundeliegenden Information fast zwangsläufig erwarten kann.

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