Günther hat geschrieben:
Das heißt, es gibt nur einige wenige entfernt analoge "Artefakte", die alle dem gleichen "Dunstkreis" zugeschrieben werden.
Das heißt weiter, ähnliche "Abbildungen" wesentlich anderen Sujets, wesentlich anderer Provenienz, sind offenbar nicht bekannt.
Was soll man daraus für Schlüsse ziehen?
James hat geschrieben:
Eine Besonderheit der Darstellungen des NT wird oft übersehen.
Die geschilderte Grablegung setzte eigentlich ein Familiengrab voraus, das man sich leisten können mußte. Angehörige derjenigen Schichten, die sich das leisten konnten, endeten für gewöhnlich nicht am Kreuz. Die Kombination Kreuzigung und Grabtuch dürfte also eher selten sein. Ich habe zwar keinen Literaturhinweis parat, meine aber, mal gelesen zu haben, daß es in der Levante im Hochmittelalter mehrere solcher Tücher gegeben haben soll.
Dies ist leicht zu erklären, ich zitiere aus der Bibel:
Zitat:
Und am Abend, dieweil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbat, 43kam Joseph von Arimathia, ein ehrbarer Ratsherr, welcher auch auf das Reich Gottes wartete. Der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. 44Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben wäre. 45Und als er's erkundet von dem Hauptmann, gab er Joseph den Leichnam. 46Und er kaufte eine Leinwand und nahm ihn ab und wickelte ihn in die Leinwand und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür. 47Aber Maria Magdalena und Maria, des Joses Mutter, schauten zu, wo er hingelegt ward.
Also ein reicher Mann sorgte für diese sehr ungewöhnliche Bestattung von Jesus und auch für das ungewöhnlich hochwertige Grabtuch. Für die Bestattung eines Gekreuzigten mit einem teurem Leichentuch, gibt es für diese Gegend nur eine einzige historische Überlieferung: Jesus.
Andere Grabtücher sind nicht bekannt, es gibt allenfalls Reste von Leichentüchern aus Grabfunden vergleichbarer Zeit aus diesem Gebiet. Und schon in frühesten nichtchristlichen, also islamischen Quellen, wird von einem Grabtuch berichtet.
Schlüsse kann man natürlich daraus fast beliebig ziehen, denn Beweise sind es nicht. Aber in der Gesamtheit ist das T.-Grabtuch schon bemerkenswert und wird die Forschung sicher noch lange beschäftigen.
Übrigens (gemalte) Kopien gab es schon recht früh, die man den Pilgern als Andenken mitgegeben hat, daher wohl auch die Auffassung von James, dass es mehrere solcher Tücher gegeben haben soll.