Rätsel der Vergangenheit

Forum für Archäologie, archäologisches Grenzwissen und Prä-Astronautik
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 Betreff des Beitrags: Korff?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jul 2011, 11:14 
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Registriert: So 20. Jul 2008, 08:35
Beiträge: 139
Moin.

schlage ich Heute meine Tageszeitung auf, Region Hannover, steht da ein langer Artikel drin über den emeritierten und mehrfach ausgezeichneten Philosophen Friedrich Wilhelm Korff, der an der Uni Hannover gelehrt hat (Schaumburger Nachrichten vom 23.7.2011, Seite 53, Autor Stefan Arndt). In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, aus der die Schaumburger Nachrichten regionale Meldungen übernimmt, erschien eine Woche vorher:

http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/ ... e-Fachwelt

Er hätte das Bauprinzip der Pyramiden gelöst, ein Buch dazu geschrieben (Der Klang der Pyramiden), und würde von der Wissenschaft ignoriert. Bei dem Inhalt soweit nun wirklich nicht ungewöhnlich:

„Platon und die Cheopspyramide – das enträtselte Weltwunder“. Über die reine Anwendung von Arithmetik und Geometrie hinaus hatte der Philosoph einen Zusammenhang mit der antiken Musiktheorie hergestellt und konnte die Proportionen der Pyramiden so musikalischen Intervallen zuordnen. Die Pyramiden als Stein gewordener Klang.

http://www.uni-hannover.de/de/aktuell/p ... ils/07350/

Auch nicht ungewöhnlich die Aussage eines Ägyptologen eines Museums dazu:

Während sich der hannoversche Ägyptologe trotzdem sicher ist, Korff hätte genauso gut von der Anzahl der Sandkörner auf die Neigungswinkel der Pyramiden schließen können, ...

Aber, und deswegen frage ich hier mal, im weiteren Artikel stehen dann die folgenden Aussagen, und das hört sich irgendwie ganz anders an:

... hält sein Heidelberger Kollege Quack Korffs Ansatz für erheblich belastbarer: „Die Basis seiner Untersuchung ist nachvollziehbar und überprüfbar“, sagt der Professor. Allerdings brauche man Spezialwissen auch außerhalb der Ägyptologie, um sie endgültig bewerten zu können. Ein Ägyptologe immerhin hat das bereits unternommen: Rainer Stadelmann. Der 77-Jährige war einer der Nachfolger von Ludwig Borchardt als Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo. Jahrzehntelang hat er die Ägyptologie geprägt, und noch immer leitet er Ausgrabungen in Ägypten, wo man ihn dieser Tage telefonisch erreicht. „Ich schätze die Arbeit von Herrn Korff außerordentlich“, sagt er. „Sie erklärt vieles und zeigt außerdem, dass wir das Wissen der Ägypter immer unterschätzt haben.“ Auch Stadelmanns Altersgenosse Jan Assmann, gerade mit dem Lübecker Thomas-Mann-Preis geehrt, bescheinigte Korff, dass seine Entdeckung „mit allem historischen Wissen und präziser Beobachtung“ in einer Weise abgesichert sei, „dass man nur staunend den Hut ziehen“ könne. ... „Wenn dann jemand wie Korff kommt und eine wirklich große These aufstellt, dann erschrickt man“, sagt Stadelmann – und meint damit das Schweigen seiner Nachfolger. Dann fügt er einen schlichten, großen Satz an: „Das Buch von Korff wird bleiben.“

Das liest sich ja nun völlig anders. Ich kann das überhaupt nicht beurteilen, weiß aber, wie leicht man alles Mögliche mit "Arithmetik" zeigen kann, wenn man geschickt mit Zahlen jongliert - auch immer das Gegenteil scheinbar sensationeller Zusammenhänge, oder einfach nur Blödsinn. Ein Philosoph ist nun auch wirklich kein Mathematiker.

Die "älteren" Ägyptologen scheinen ja von der Zeitung selbst gefragt worden zu sein, sonst hätte ich jetzt mal vermutet, sie wurden von H. Korff angeführt.

Weiß jemand mehr zum Inhalt und den Beurteilungen von Stadelmann und Co. dazu? Der eigentliche Hype war wohl 2009, keine Ahnung, warum der Artikel jetzt erschienen ist. Im Netz habe ich nur Wenig bis Nichts dazu gefunden, außer den Hinweis auf einen Artikel von Prof. Dr.-Ing. Dr. phil. Frank Müller-Römer, der dem nachgegangen ist und es mehr oder weniger für Wunschdenken von Prof. Korff hält:

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/prop ... /2009/307/
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/prop ... _18.07.pdf

Der Müller-Römer hat auch einen wirklich interessanten Lebenslauf ...

Interessanterweise finde ich z.B. H. Assmanns Aussage im Zeitungsartikel dort wortwörtlich wieder, ist wohl also auch älteren Datums und nicht aktuell.

Von Korff gibt es eine Widerlegung auf Müller-Römer:

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/prop ... /2010/588/
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/prop ... ension.pdf

Dort gibt es noch weitere Korff-Papiere:

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/prop ... %20Wilhelm

Gruß,
Mike.


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 Betreff des Beitrags: Re: Korff?
BeitragVerfasst: Mo 25. Jul 2011, 22:30 
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Administrator

Registriert: Sa 3. Mai 2008, 09:37
Beiträge: 785
Wohnort: Essen
Auf der SÄK in Münster hat der gute Müller-Römer die anwesende Ägyptologengemeinde mit einer Brandrede gegen Korff gelangweilt, die sich für diese Spinnerei nämlich weniger als gar nicht interessieren...
Und schon im Vorfeld gab es Stress, weil der Korff den Veranstaltern der SÄK mit einer Klage drohte, falls Müller-Römer den Vortrag hält :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Korff?
BeitragVerfasst: Di 26. Jul 2011, 10:10 
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Registriert: So 20. Jul 2008, 08:35
Beiträge: 139
Frank D hat geschrieben:
Auf der SÄK in Münster hat der gute Müller-Römer die anwesende Ägyptologengemeinde mit einer Brandrede gegen Korff gelangweilt, die sich für diese Spinnerei nämlich weniger als gar nicht interessieren...
Und schon im Vorfeld gab es Stress, weil der Korff den Veranstaltern der SÄK mit einer Klage drohte, falls Müller-Römer den Vortrag hält :)
Hallo Frank. Passt ja ins Bild. Aber war ja auch schon 2009, und Korffs Erwiderung, die ich verlinkt hatte, ist aus 2010. Auch wenn das Drumherum vielleicht abstrus sein mag, hat das ja mit seinen Inhalten zunächst nichts zu tun. Von denen, zumindest aus dem Zeitungsartikel wie auch teils im Artikel von Müller-Römer, die Herren Quack, Assmann, Stadelmann recht positiv beeindruckt scheinen. Das war in meinen Augen der Unterschied zu einigen unsinnigen Thesen von anderen Leuten, die sie selbst z.B. auch hier im Forum beschrieben haben.

Hätte ja sein können, dass hier jemand die schwere Kost auch schon mal in Auszügen versucht hat nachzuvollziehen. Die verlinkten Papiere wären da ein Anfang, muss ja nicht gleich das Buch sein. Rein logisch sagen mir die missglückten / unterschiedlichen Anfänge des Pyramidenbaus, oder die - da spekuliere ich ohne Wissen - fehlenden Hinweise in jeglichen Aufzeichnungen/Tafeln auf seine Auslegung, dass es Blödsinn ist. Lässt man mal die Musik außen vor, bleiben ja noch so Thesen wie die Behauptung, die Griechen hätten ihre Zahlentheoriekenntnisse von einem Aufenthalt Platons bei den Ägyptern. Oder seine Liste mit zu Arnold "korrigierten" Pyramidenmaßen.

Wie schon geschrieben, meiner Meinung nach könnte ich viel davon ebenso auf die Neigung der Scheibe an meinem Auto oder unser Hausdach beziehen - aber das ist natürlich keine fundierte Kritik. Dazu fehlt mir die Zeit, und das Wissen drumherum.

Gruß,
Mike.


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